Sep 022012
 

Geld macht doch glücklich

Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart

Von Joachim Weimann / Andreas Knabe / Ronnie Schob

Natürlich ist alles sehr subjektiv zu sehen. Zufriedenheit und Glück sind eben nicht richtig zu fassen, nicht zu messen und sind bei der jungen Mutter völlig anders einzuschätzen als bei einem Geschäftsmann, der ein Unternehmen aufbaut. Die ökonomische Glücksforschung, die mit der Arbeit von Easterlin 1974 ihren Anfang nahm, hat in den letzten Jahren innerhalb der Wirtschaftswissenschaft und im politischen Raum Diskussionen entfacht, die in dieser Form noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wären. Noch komplizierter wird es, wenn viele Länder miteinander vergleichen und daraus politische Schlüsse ziehen wollen. Sind die Italiener in glücklicher als die Deutschen und was muss man tun, um die Deutschen noch glücklicher zu machen. Grundfesten der Ökonomik stehen plötzlich zur Debatte. Es ist doch wohl klar Version kaum noch am Bruttoinlandsprodukt als Maß für unseren Wohlstand orientieren können? Ist mehr Kon­sum tatsächlich besser als weniger? Sollte der Staat uns nicht besser durch intelligente Maßnahmen davon abhalten, so viel zu arbeiten?

Mit Richard Easterlins Beobachtung, dass sich trotz steigender Einkommen die Zufrieden­heit und das Glücksempfinden der Menschen in den letzten Jahrzehnten nicht verändert haben, hat die Glücksforschung das ökonomische Verständnis von Wirtschaftswachstum erschüttert. Wenn uns Geld nicht glücklich macht – was dann? Die Glücksforschung hat nicht nur gezeigt, dass Geld nur eine geringe Rolle für das Glück spielt, sondern sie hat auch viele Faktoren identifiziert, die positiv mit dem Glücksempfinden verbunden sind. An dieser Stelle stellen die Autoren die wichtigsten dieser Faktoren (Persönlichkeitseigenschaften, Gesundheit, Familie, Arbeit und Arbeitslosigkeit …) vor.

geld-glucklich.jpgAber ist es wahr, was die Glücksforschung bisher herausgefunden hat? Stimmt Easterlins Befund? Sind die Daten, auf denen die Glücksforschung basiert, geeignet, tatsächlich das zu messen, was sie vorgeben zu messen? Das sind Fragen, die in diesem Buch untersucht werden. Die Glücksforschung wird einer kritischen Würdigung unterzogen. Die Autoren verwenden dabei auch eigene empirische Ergebnisse, die klar machen, dass die Dinge nicht so einfach sind, wie es viele Glücksökonomen darstellen.

Drei zentrale Punkte werden herausgearbeitet:

•        Die Glücksmessung ist zu fehleranfällig.

•        Das Glück gibt es nicht – das subjektive Wohlbefinden ist mehrdimensional.

•        Die Glücksforschung eignet sich nicht zur Messung des gesellschaftlichen Fortschritts.

Das Buch ist für Studenten, Wissenschaftler aber auch zum Beispiel für Führungskräfte in Unternehmen bestens geeignet. Viele Aussagen basieren auf US-amerikanischen Studien, bei einigen Aussagen werden statistische und wissenschaftliche Kenntnisse vorausgesetzt.

Eventuell wäre eine Verbindung mit Gallup Studien (http://www.gallup.com/home.aspx) zum Engagementindex, zur Mitarbeiterzufriedenheit, zu Motivationsproblemen oder zu Kundenzufriedenheitsproblemen interessant gewesen. Das Buch ist insgesamt lesenswert.

Klaus Jamin