Sep 292007
 

Die Perlen der Alpen zeigen sich bodenständig.

Trotz internationalem Anspruch

lauterseen3.gifaus: www.werdenfelserland.de

Sie haben sich redlich und erfolgreich abgemüht, die Verantwortlichen der sogenannten Werfenwenger Weis 2007, insbesondere der Bürgermeister des 2000 Seelen Ortes, Peter Brandauer und – im Schulterschluss mit der Gemeinde – die Geschäftsführerin der ALPINE PEARLS, zu Deutsch „Perlen der Alpen“, Karmen Mentil.

Vor Kurzem ging in dem kleinen, aber feinen Ferienort Werfenweng, im salzburgischen Pongau im Tennengebirge idyllisch gelegen, ein durch alpenländische Traditionen geprägtes Volksfest, genannt „Werfenwenger Weis“, zu Ende, mit internationalen Ambitionen und Mitwirkenden aus Österreich, der Schweiz, Italien, Bayern und Slowenien „aufgespeckt“ (ein Tag wurde zum „Speck-Fest“ erkoren). Neun Tage lang war das sogenannte Perlenzelt im Zentrum des Ortes Mittelpunkt der Feiern, oberbayerischen Volks- und Festzelt-Festen durchaus vergleichbar.

Der Unterschied zum bayerischen Oberland: Die Aufmerksamkeit der Zuhörer bei den Darbietungen der Blasmusikkapellen war nicht nur am „Südtiroler Abend“ und den darauf folgenden Festtagen sehr viel größer. Die Leute waren auch viel disziplinierter, mit anderen Worten sehr viel ruhiger, beinahe andächtig, dafür war aber der Applaus um so dankbarer und stärker. Die Bedienungen und Kellner viel österreichischer, d. h. noch charmanter und freundlicher als wir von mitunter bärbeißigen Dienstleistern im bayerischen Gastgewerbe gewohnt sind.

Was war nun daran neu, was war international?

Es war der Anspruch der alpinen Perlen, eine besonders sanfte Form des Tourismus noch sanfter zu gestalten. Der Zusammenschluss von bis jetzt 23 Gemeinden (der vorliegende Prospekt in italienischer Sprache weist deren 20 auf) aus Österreich, Südtirol, „Restitalien“, Bad Reichenhall und Berchtesgaden, der Schweiz und Frankreich, verspricht einen neuen Typ von Ferien, ohne Stress, Entspannung, dazu Naturgenuss, Gesundheit, die reinste Erholung und die Wiederentdeckung der Langsamkeit.  Dazu dient in erster Linie eine „sanfte Mobilität“, das heißt, die öffentlichen Verkehrsmittel sind ausgebaut, Fahrräder und neuartige Elektromobile im Einsatz und das eigene Auto soll weitestgehend stehen bleiben. All überall symbolisiert das Logo eines luftigen Schmetterlings diesen Anspruch überdeutlich.

Aus diesem Verbund alpiner Perlen hatte man die Mitwirkenden eingeladen. Man hört, dass Bürgermeister Brandauer alle betroffenen Orte zur Begutachtung deren – insbesondere – musikalischen Leistungen besucht hat. Neben den Musikern waren Tänzer, Handwerker und bildende Künstler, insgesamt rund 700 Akteure, eingeladen.

Allerdings: Die öffentliche Aufmerksamkeit muss noch wachsen, sie beschränkt sich unserer Beobachtung nach auf die nähere Umgebung des Ortes. Wenn weder der langjährige Geschäftsführer der Tirol-Werbung noch der umfassend gebildete Lehrer eines Nachbarortes weder jemals den Begriff „Perlen der Alpen“ noch „Alpine Pearls“ gehört hat, so braucht es nicht zu verwundern, wenn die Gäste dieses Festes nicht nur die mitwirkenden Aktiven selbst, sondern vor allem Einheimische waren – auch aus den Nachbarorten Werfen, Pfarrwerfen und einige Sommer-Touristen mittleren Lebensalters, die vor allem Wanderungen und gemütliche Almaufenthalte zu schätzen wissen. Kaum jemand ist eigens angereist, die Steigerung des Fremdenverkehrsaufkommens durch den Perlen-Verbund hielt und hält sich vermutlich in Grenzen. Das kann in drei Jahren, bei der nächsten „Weis“ sicher schon besser aussehen.

„Die Begeisterung ist entscheidend“ meinte ein altgedienter Bürgermeister aus der Nachbargemeinde. Wohl wahr.
Nachzutragen ist, dass es sich bei den Moderatoren um durchaus prominente und kompetente Persönlichkeiten, wie zum Beispiel Sepp Forcher, bekannt aus Funk und Fernsehen, handelte.

Weitere Informationen: www.werdenfelserland.de

C. Dietrich von Trotha
pic RedaktionsBüro München